Per E-Mail erhielt ich den Hinweis auf einen neuen Anbieter auf dem Tagesgeldmarkt. Konkret geht es um die schwedische TF Bank, die mit einem sehr hohen Zinssatz von 0,65 Prozent um Kunden wirbt.

Auf den ersten Blick klingt das ziemlich gut. Insbesondere gepaart mit der als solide einzustufenden schwedischen Einlagensicherung.

Diverse unübliche Punkte

Jedoch gibt es auch einige kleinere Haken bei diesem Angebot, die zumindest für mich persönlich relevant sind, sodass ich euch diese nicht vor enthalten will.

Auch wenn die meisten dieser „Haken“ eher in den Bereich „Komfort“ fallen und somit von manch einem sicherlich auch als „vernachlässigbar“ eingestuft werden.

Kontoführung nach schwedischem Recht

Der erste Punkt ist der, dass man keinen Freistellungsauftrag einrichten kann und auch keine Steuern abgezogen werden. Für die korrekte Versteuerung muss man daher im Rahmen seiner Steuererklärung selbst sorgen.

Das liegt daran, dass die die Bank keine deutsche Niederlassung unterhält und die Kontoführung somit nach schwedischem Recht erfolgt. So etwas kennt man ja bereits von diversen anderen Banken.

Kein Online-Banking

Es ist zudem nicht tagesaktuell möglich, seinen Kontostand online einzusehen. Man erhält lediglich ein Mal im Monat einen Kontoauszug mit allen Transaktionen und Zinsgutschriften. Alternativ kann man den Kontostand telefonisch erfragen.

Zumindest gibt die Bank aber an, langfristig auch ein „Onlinesystem“ bereitstellen zu wollen. Wann auch immer das dann tatsächlich sein wird.

Ungewöhnlich lange Wartezeit für Auszahlungen

Richtig ärgerlich und aus Kundensicht unnötig umständlich finde ich, dass man für Auszahlungen ein Papierformular ausfüllen muss. Dieses muss man dann unterschrieben auf dem Postweg versenden (immerhin an eine Adresse in Deutschland). Und das im Jahr 2018 – unglaublich…

Darüber hinaus gibt die TF Bank an, das Geld nach Erhalt der Auszahlungsanforderungen innerhalb von 4 Bankarbeitstagen zu überweisen. Diese Zeit kommt dann also nochmal oben drauf.

In Verbindung mit dem Postweg muss man somit also bis zu einer Woche auf seine Auszahlung warten. Mit „Tagesgeld“ im engeren Wortsinn hat das für mich dann nur noch wenig zu tun.

Ergänzung vom 02.05.2018: In den Kommentaren (siehe unten) erhielt ich den Hinweis, dass man die Auszahlungsanforderung auch eingescannt per E-Mail absenden kann. Das spart zumindest den Postweg. Die Grundproblematik bleibt aber die gleiche, wenn auch leicht abgemildert. 😉

Auch positive Punkte: Zinssatz, Einlagensicherung & Zinseszins

Aber es gibt auch positives, das will ich nicht verschweigen. Zum einen ist dies neben der schwedischen Einlagensicherung ja der bereits genannte sehr hohe Zinssatz von 0,65 Prozent.

Wobei man bei so einem neuen Anbieter natürich keine halbwegs verlässlichen Prognosen darüber geben kann, wie der weitere Verlauf hier sein wird. Ich habe in den letzten Jahren schon viele Anbieter furios starten sehen, die dann in den Ranglisten rapide abrutschten. Genauso gab es aber Banken, die sich von Beginn an mit vorne fest setzten und sich dort bis heute befinden (so zum Beispiel die Renault Bank, die ihren bestehenden Kunden 0,40 und Neukunden sogar 0,60 Prozent zahlt).

Immerhin will die TF Bank Zinsänderungen 7 Tage vor Inkrafttreten kommunizieren. Angesichts der langen Vorlaufzeit für Auszahlungen halte ich dies aber auch für eine Selbstverständlichkeit. Doch ich wollte jetzt ja eigentlich zu den positiven Punkten zu sprechen kommen, da darf ich nicht schon wieder „negativ“ werden. 😉

Also: Die Zinsgutschrift erfolgt monatlich. Somit kommt es hier zu einem kleinen Zinseszinseffekt und einem Effektivzins von 0,67 Prozent.

Insgesamt diskutables Gesamtpaket

Mir persönlich reicht das aber alles nicht aus, um die ganzen Nachteile aufzuwiegen. Wem dies ebenfalls so geht, dem würde ich derzeit die bereits im Text genannte Renault Bank ans Herz legen.

Dort hat man ein normales Onlinebanking, normale Auszahlungszeiten und eine Kontoführung nach deutschem Recht (man kann also auch einen Freistellungsauftrag stellen). Die Zinsen dort sind mit 0,40 Prozent für Bestandskunden auch ordentlich. Neukunden erhalten für drei Monate garantiert sogar 0,60 Prozent – also kaum weniger als bei der TF Bank.

Zudem ist die Renault Bank bereits seit längerer Zeit in Deutschland auf dem Markt aktiv und beständig an der Spitze dabei. Daher zeichnet sie die Stiftung Warentest auch regelmäßig als „dauerhaft gut“ aus.

Wer hingegen Kunde bei der TF Bank werden möchte, der kann dies hier tun. 😉

PS: Falls ihr bereits Erfahrungen mit der TF Bank gesammelt habt, schreibt gerne einen Kommentar unter diesen Artikel!