Wie ihr sicherlich schon aus den Medien erfahren habt, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der Eurozone heute auf 0,5 Prozent gesenkt. Dies ist ein Rekordtief. Der bisherige Tiefpunkt lag bei 0,75 Prozent, der bereits mehrfach erreicht worden war – so auch zuletzt. Und das gleich über zehn Monate hinweg.

Welche Folgen für Tagesgeldzinsen?

Doch was bedeutet dieses Rekordtief für uns als Tagesgeldkunden? Positiv ist die Nachricht jedenfalls nicht, das kann man schon mal klar sagen. Es ist ein weiteres negatives Signal. Allerdings auch nur eines von vielen.

Zudem haben die letzten Wochen und Monate gezeigt, dass der Leitzins so viel Auswirkungen auf die Tagesgeldzinsen nun auch wieder nicht hat. Denn der Leitzins blieb ja zuletzt zehn Monate lang stabil und dennoch senkten die Banken an der Spitze reihenweise ihre Zinsen. Es war somit kein Zusammenhang erkennbar. Daher sehe ich die Leitzinssenkung in Bezug aufs Tagesgeld als nicht besonders dramatisch an.

Direkter Zusammenhang bei Barclays

Lediglich bei einer Bank wird es auf jeden Fall Auswirkungen haben; nämlich bei der britischen Barclays. Denn diese koppelt bei ihrem Konto „Tagesgeld LeitzinsPlus“ den Zinssatz direkt an den EZB-Leitzins.

Aktuell wird Neukunden für 12 Monate ein Zinssatz von 0,25 Prozentpunkten über dem EZB-Leitzins versprochen. Somit werden dort künftig also nur noch 0,75 Prozent gezahlt, was im Vergleich jedoch ohnehin nicht attraktiv ist. Denn an der Spitze zahlen Anbieter derzeit bis zu 1,65 Prozent – so zum Beispiel die französische Renault Bank Direkt.

Lachende „Altkunden“ bei Barclays

Alte Bestandskunden von Barclays hingegen stehen da wesentlich besser da. In der Anfangszeit des Kontos wurden noch 1,75 Prozentpunkte über dem Leitzins garantiert. Wer damals Kunde wurde, erhält künftig also noch 2,25 Prozent, was für heutige Zeiten geradezu sensationell ist, sodass man in dieser Situation keine Gedanken an die Barclays-Konkurrenz verschwenden muss.

Diese alten Kunden dürften Barclays inzwischen ein Dorn im Auge sein – zumal die Konditionen damals sogar für drei Jahre ab Kontoeröffnung garantiert wurden. Ein echter Glückstreffer für alle, die damals zuschlugen. Auch nach der jüngsten Leitzinssenkung noch.

An der Spitze aktuell bis zu 1,65 Prozent möglich

Alle anderen müssen das Beste aus der Situation machen. Und das sind derzeit wie oben erwähnt nun einmal maximal 1,65 Prozent aufs Tagesgeld. Immer noch besser als nichts.

Oder aber man entscheidet sich alternativ für kurzfristige Festgelder. Dann ist zumindest etwas mehr drin und man hat für die entsprechende Laufzeit Zinssicherheit. In einer Zeit der Zinssenkungen ist dies als Vorteil nicht zu unterschätzen – auch wenn der Zinsaufschlag gegenüber Tagesgeld nur gering ist. Hier sollte man daher schnellstmöglich zur Tat schreiten.