Kaum mehr als einen Monat nach der letzten Herabsetzung des Leitzinses (von 1,5 auf 1,25 Prozent), vollzieht die Europäische Zentralbank (EZB) diesen Schritt nun erneut: Der europäische Leitzins sinkt von 1,25 auf nunmehr nur noch glatte 1,0 Prozent.

Damit ist er erneut bei seinem historischen Tiefststand angelangt, wo er seit Beginn der Finanzkrise bis Anfang dieses Jahres stand. Nachdem er seitdem in zwei Schritten auf die genannten 1,5 Prozent angehoben wurde, ist er seit Amtsantritt des neuen Präsidenten Mario Draghi nun wieder auf das alte Niveau zurückgestutzt worden.

EZB will Rezession verhindern

Hintergrund der Senkung ist die aktuelle Wirtschaftskrise in der Europäischen Union. Mit dem niedrigen Zinssatz soll Geld verbilligt werden, um den Absturz in eine Rezession zu verhindern. Stattdessen besteht so nun aber auch die Gefahr einer zu hohen Inflation. Mit zirka drei Prozent überwiegt sie bereits jetzt deutlich den Leitzins. Real verliert Geld somit also an Wert, wenn man es zu derartigen Konditionen anlegt.

Wie reagieren die Tagesgeld-Anbieter?

Bereits bei der Leitzinssenkung vor einem Monat befürchtete ich, dass sich dies auch auf die Tagesgeldzinsen auswirken würde. Doch zumindest bei den Top-Anbietern waren keine Auswirkungen zu beobachten: Die Zinsen blieben stabil und bei einigen Anbietern stiegen sie sogar noch leicht.

So zum Beispiel bei moneYou, wo der Zinssatz erst vor wenigen Tagen von 2,7 auf 2,75% stieg. Andere Top-Anbieter hielten ihre Zinsen stabil. Beispielsweise die Bank of Scotland beließ ihren Zinssatz bei 2,7 Prozent (+30€ Prämie für Neukunden). Ebenso die VTB Direkt, die bis zum Jahresende außerdem für Neukunden eine hohe 40€-Prämie anbietet.

Bei diesen Angeboten kann man den Wert seines Geldes also zumindest in etwa erhalten, da die Zinssätze auf Inflationsniveau liegen.

Beobachtung des Marktes kann sich lohnen

Mit Spannung (und Sorge) muss man nun beobachten, ob diese Leitzinssenkung anders als die vergangene möglicherweise negative Auswirkungen für Tagesgeldanleger hat. Ich kann eigentlich kaum glauben, dass es folgenlos bleibt. Umso wichtiger ist es also, sich tagesaktuell auf dem Laufenden zu halten (zum Beispiel in diesem Blog hier ;)), um bei einer Zinssenkung ggf. reagieren entsprechend zu können.

Aber wollen wir den Teufel mal nicht an die Wand malen, sondern das ganze halbwegs gelassen beobachten. Denn ändern können wir es ja eh nicht. Die einzige Alternative wäre in meinen Augen derzeit, sich auf kurzfristiges Festgeld zu verlagern, um sich die aktuellen Zinssätze noch ein wenig zu sichern… – ansonsten heißt die Devise erst einmal: Abwarten.