Sinkt der EZB-Leitzins nächste Woche auf 0,5 Prozent?

Wenn man diversen Experten Glauben schenkt, dann dürfte in der kommenden Woche eine Senkung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) bevorstehen. Derzeit liegt der Leitzins noch bei glatt einem Prozent. Erwartet wird von vielen nun etwa nicht nur eine Senkung um 0,25 Punkte, sondern gleich um 0,5 Punkte sodass der Leitzins praktisch halbiert würde.

Bisher wurde von einer Herabsetzung des Leitzinses vor allem deswegen Abstand genommen, da die Inflationsrate deutlich über zwei Prozent lag. Nun ist sie ein wenig zurückgegangen, was den Weg für eine Leitzinssenkung etwas „einfacher“ macht.

Für Sparer würde das nichts gutes bedeuten. Eine solche Leitzinssenkung würde den Abwärtstrend bei den Tagesgeldzinsen wohl nochmals deutlich verstärken. Barclays zum Beispiel hat seinen Tagesgeldzinssatz ja sogar direkt an den EZB-Leitzins gekoppelt.

Bald sogar negative Guthabenzinsen möglich?

Einige mittelfristige Prognosen/Horrorszenarien erachten gar noch weit schlimmeres als möglich. Nämlich dass demnächst sogar negative Zinsen gezahlt werden könnten (siehe zum Beispiel diesen Artikel bei Welt Online). Wobei das derzeit noch ein sehr theoretisches Szenario ist.

Wenn es wirklich so weit käme, wäre die Geldentwertung nicht nur durch die Inflationsrate, sondern auch noch durch die Guthabenverzinsung gegeben. Dann kommt man fast nicht mehr drum herum, sein Geld in Sachwerte zu investieren. Oder wie seht ihr das?

Mich jedenfalls hat diese Meldung, in der von einer konservativ-seriösen Zeitung sogar über negative Guthabenzinsen spekuliert wird, sehr erschrocken. Wobei ich jedoch nicht inzuschätzen vermag, inwiefern dies wirklich ein realistisches Szenario ist.

Aber warten wir nun zunächst einmal ab, ob und wenn ja wie stark der Leitzins in der kommenden Woche tatsächlich sinkt. Noch ist ja nichts passiert und es handelt sich lediglich um Spekulationen. Am Donnerstag sind wir dann schlauer…

PS: In den letzten Tagen wurde hier im Blog auch schon über eine mögliche Leitzinssenkung diskutiert. Auch dabei wurde schon ein Leitzins von 0,5 oder 0,75 Prozent prophezeit.

9 Gedanken zu „Sinkt der EZB-Leitzins nächste Woche auf 0,5 Prozent?

  1. Hier ein kurzes Zitat aus dem Welt-Online Artikelt, den Nils ganz oben verlinkt hat:

    Der Gedanke dahinter ist klar: Die EZB hat den Banken in den vergangenen Monaten Milliarden und Abermilliarden an Euro zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise sollte indirekt die Wirtschaft gestützt werden. Doch die Kreditinstitute geben das Geld einfach nicht weiter, sie horten es vielmehr. „Trotz der ‚unkonventionellen‘ Geldpolitik der Notenbanken bleibt die Kreditvergabe der Banken zu schwach, um ein starkes wirtschaftliches Wachstum zu entfachen“, sagt Laurence Mutkin, Chef der Zinsstrategie für Europa bei der Investmentbank Morgan Stanley. Mehr noch: Die Geldmenge, die in der Wirtschaft zirkuliert, ist zuletzt sogar weiter zurückgegangen, ebenso wie der Kreditbestand.

    Genau das meinte ich damit. Ich denke mal, die Banken horten das Geld lieber, als Kredite zu vergeben, die in ihren Augen risikoreich sind. Momentan kann sich ja niemand sicher sein, einen erteilten Kredit zurückgezahlt zu bekommen. Die Banken trauen sich ja sogar gegenseitig nicht mehr und geben sich gegenseitig ebenfalls kaum noch Kredite. Und das, was Egon im letzten Satz geschrieben hat, habe ich ja oben auch schon gesagt: Natürlich vergeben die Banken noch Kredite, aber für gewöhnlich erst dann, wenn der Kreditnehmer so viele Sicherheiten vorlegen kann, dass er die Kredite fast nicht benötigen würde. Es werden also nur noch Kredite vergeben, wenn die Bank nahezu 100%ig sicher ist, dass die Rückzahlung gesichert ist. Das ist eigentlich nicht der Sinn der Sache. Immerhin sind die Zinsen, die man für einen Kredit an die Bank zahlt, viel höher als der EZB Leitzins, für den die Banken sich refinanzieren können. Die Banken argumentieren immer damit, dass sie ja auch das Risiko tragen, wenn die Kredite nicht zurückgezahlt werden. Aber defacto gehen die Banken kaum noch Risiken ein. Die Kreditzinsen bleiben aber trotzdem auf sehr hohem Niveau. Zinssenkungen werden so gut wie gar nicht an die Kunden weitergegeben.

    Davon abgesehen wurden die Banken ja erst vor kurzem dazu gezwungen, mehr Eigenkapital vorrätig zu halten, damit sie nicht mehr so krisenanfällig sind. Vor einer Weile noch lagen viele Banken lediglich bei Eigenkapitalquoten von 2 bis 10%, je nachdem wie man rechnet. Das ist natürlich viel zu wenig. Wenn man als Normalsterblicher mit 2% Eigenkapital versucht, einen Kredit für einen Hausbau zu erhalten, wird man von der Bank höchstens ausgelacht. Und wenn – wie momentan – die Menschen in Griechenland alle zu den Banken rennen und ihr Geld abheben, kann man sich ausrechnen, wie lange eine Bank, die nur 10% des angelegten Geldes wirklich zur Verfügung hat, das durchhält, bevor sie dicht machen kann. Da könnte ich mir schon vorstellen, dass eine Bank lieber auf größeren Summen sitzt und somit lieber ihre Kapitalquote in die Höhe treibt, als Kredite zu vergeben.

    Aber das kann ja auch von Bank zu Bank und von Land zu Land unterschiedlich sein.

  2. Keine Bank leiht sich Geld , wenn das Geld nicht benötigt wird und sitzt drauf, warum auch das belastet doch den ROI.
    Die Kreditvergabe an Firmen und Privatpersonen ist national sehr unterschiedlich gelagert. In einigen Ländern haben die Banken kein Geld mehr zur Kreditvergabe oder die Refinanzierung ist sehr teuer. In anderen Ländern haben die Banken Geld, aber das Geschäft mit anderen Geldgeschäften ist lukrativer als das nationale Kreditgeschäft.
    Meine persönlichen Erfahrungen als Selbständiger war, dass ich immer mehr „Geld“ (bzw. Haftung) einbringen musste, als ich als Kredit von der Bank benötigte.

  3. @Egon: Geld zum Selbstzweck? Davon habe ich doch gar nichts gesagt. Natürlich sollen die Banken das Geld verwenden, um Kredite zu vergeben. Aber das tun sie ja eben nicht. Jedenfalls nicht in ausreichendem Ausmaß. Stattdessen sitzen die Banken momentan auf dem Geld und geben so gut wie keine Kredite mehr an Privatleute oder mittelständische Unternehmen. Natürlich werden noch einige Kredite vergeben, wenn so viele Sicherheiten beim Kreditnehmer vorhanden sind, dass der den Kredit eigentlich fast gar nicht bräuchte. Das wird ja u.a. auch in dem Welt-Online Artikel erklärt. Die einen bekommen von den Banken keinen Kredit, und die anderen beantragen erst gar keinen, weil sie schon so viele Schulden haben, dass sie auch einen weiteren Kredit nicht mehr zurückzahlen können.

    Der Effekt ist eben, dass viele Banken momentan auf einem Haufen billigen Geld von der EZB sitzen und extrem vorsichtig sind, wem sie noch Geld geben.

    Dass das nicht so sein sollte, ist mir schon klar 😉

  4. @Spirou
    Die Banken benötigen kein Geld zum Selbstzwecks, was man deinem Beitrag entnehmen kann, sondern um Kredit auszuleihen.

    In Spanien zB haben die Banken dies im Rahmen von Immobilienfinanzierung im großen Umfang getan und die Blase ist geplatzt und nun bekommen kein Privatmann oder Firma mehr Kredit um Geschäfte zu machen, da die Banken sich nur noch für teurer Geld eine Refinanzierung leisten können und daher drohen pleite zu gehen, was wiederum andere Risiken, je nach dem ob die Bank systemrelevant ist, auftut und dies der Strudel (PIGS-Länder) in dem wir leben.

    Die EZB hat die Aufgabe die Geldmenge zu regulieren, das hat auch früher mit der Bundesbank für Deutschland geklappt, aber leider wurde die europäischen Bundesbank (EZB) für die Politik missbraucht und nun muss sie Gelddrucken um marode Banken zu retten – das wird auf Sicht nicht funktionieren…und ist auch mit den neunen Beschlüssen auf den Eurogipfel eigentlich Aufgabe unter Wahrung von Sanktionen des ESM und nicht der EZB.

    Die Barcalysbank (BB) hat seinerzeit neue Kunden werben wollen (was stets die Investoren freut und die Bilanz sowie das Ratin einer Bank guttut), mit dem tollen Angebot 2,75% – wohl in der Annahme dies nicht lange vollziehen zu müssen, aber die EZB bliebt hart und die BB hat das Angebot modifiziert müssen. Es wird daher immer wieder Banken geben die sich am Markt platzieren möchten und lukrative Angebote (auf Zeit) machen.
    So sehe ich das Moneymanagement für Tagesgeld / Festgeld , leider jedoch zu Zeit auf niedrigsten Zinsniveau.

  5. Ich frage mich immer, von welcher Inflation die „hohen Damen und Herren“ in Berlin, Brüssel, Madrid, Rom, etc. sprechen …?
    Wenn die Kerninfaltion gemeint ist … mmh, diese wird OHNE die Lebensmittel- und Energiepreise berechnet.
    Wenn die gefühlte Inflation gemeint ist … mmh, 100 DM – da konnte man etwas von kaufen – was sind 50 Euro?
    Berechnungsproblem der Inflation … Probleme bei der Messung dieser Zahlen resultieren vor allem daraus, dass mit zunehmendem Abstand zum Basisjahr der Warenkorb immer weniger repräsentativ ist, da das Konsumentenverhalten sich permanent ändert. So finden zum Beispiel Innovationen im Warenkorb nur teilweise Berücksichtigung. Außerdem wird nicht berücksichtigt, dass sich verteuernde Produkte im Konsumverhalten schnell durch ähnliche Güter ersetzt werden.
    Ist es nicht alles nur ein Politikum … so gedreht, wie es gerade gebraucht wird?
    Am frühen Morgen um 5 Uhr ist unsere Bundeskanzlerin eingeknickt … Italien und Spanien freuen sich … z.B. Banken und Staaten können Geld aus dem Rettungsschirm erhalten ohne (!) weitere Sparauflagen zu befürchten, ja sogar beschlossenen Auflagen werden gelockert … was macht die Börse …. der DAX katapulziert gen Norden … Brent Öl steigt … Bund Future sinkt … und komischerweise, da Gold ja eigentlich eine Anlage in Krisenzeiten ist … steigt auch.
    Ist die „Krise“ etwa vorbei??
    Gehen wir doch einfach mal Jahre zurück … zuerst kommt eine Immobilienblase, die platzt … dann ein Einbruch an den Börsen aufgrund Bankenkrisen und am Schluss dieser Kette die Staatskrise (oder soll ich Stattsbankrott sagen). So ist es bereits öfter gewesen. Und schaut Euch mal in der Welt um: in USA -> horende Stattsverschuldung (wie bei uns)! im asiatischen Bereich -> Immobilienblase …
    Und jetzt ratet mal, wer eigentlich Deutschland „am Leben hält“ durch den Aufkauf von Stattsanleihen … CHINA (von wegen Immobilienblase -> Banken/Börseneinbruch -> Stattsbankrott) ……………

  6. Na sowas… Da hat Welt-Online doch glatt bei meinen Blog-Posts abgeschrieben 😀 😉

    Aber Spaß beiseite… Das fasst meine Befürchtungen bezüglich Leitzins und Co. ziemlich gut zusammen. Nachdem die Inflationsrate gesunken ist und die Situation im Euroland sich weiter verschlimmert hat, sind einige wichtige Voraussetzungen für eine Leitzinssenkung erfüllt, die vorher noch nicht erfüllt waren. Und ich hatte ja auch schon geschrieben, dass ich sogar eine Absenkung um 0,5% für möglich halte.

    Ich hoffe aber immer noch, dass es nicht so weit kommen wird, auch wenn vieles dafür spricht. Ich glaube einfach nicht, dass uns das wirklich langfristig helfen würde. Natürlich schreien alle Banken und überschuldeten Länder nach der Leitzinssenkung, und kurzfristig bringt das sicher eine Erleichterung, wenn alle Länder sich unbegrenzt und fast kostenlos mit Geld eindecken können. Aber was dann? Die Banken horten das Geld weiter und die Inflation steigt wieder.

    Normalerweise wäre dann ein mögliches Mittel dagegen eine Leitzinserhöhung der EZB 😛 Doch auch das wird dann wohl nichts mehr helfen. Zumindest bei der letzten Überflutung der Wirtschaft mit billigem Geld durch die EZB wurde ja festgelegt, dass die Banken sich das Geld zu diesem günstigen Zinssatz für 3 Jahre leihen können. Ich weiß nicht, ob diese Regelung so immer noch steht, aber ich halte das für wahnsinnig gefährlich. Denn selbst wenn die EZB den Leitzins mal wieder anheben sollte, kann das doch eigentlich kaum einen direkten Effekt auf die Banken haben. Neues Geld würde zwar teurer werden, aber die Banken sind ja schon für 3 Jahre bis zum Anschlag mit billigem Geld vollgepumpt. Selbst wenn der Leitzins auf 3% klettern würde, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Sparer attraktive Zinsen auf ihr Tagesgeld erhalten würden, da die Banken ja für längere Zeit wahrscheinlich kein teureres Geld mehr brauchen sondern lange von dem günstigen Zinssatz zehren werden. So hat die EZB meiner Meinung nach eigentlich ihre Handlungsfähigkeit stark geschwächt. Eine Ausnahme wäre vielleicht Barclay’s mit ihrem Leitzins Plus Konto. Zu sehen, wie das dann läuft, wäre sehr interessant 😉 Aber ich bin ja kein Wirtschaftsexperte und mache mir nur so meine Gedanken. Es kann immer sein, dass ich irgend etwas wichtiges übersehe.

    Auch wenn vieles dagegen spricht und ich selbst erst von der drohenden Leitzinssenkung geschrieben habe, habe ich also immer noch die Hoffnung, dass die EZB einen kühlen Kopf bewahrt und dass diejenigen dort, die sich aus guten Gründen gegen eine weitere Zinssenkung aussprechen, die Oberhand behalten.

  7. Der EZB-Zinssatz wird sinken, um den angeschlagenen Banken in Italien und Spanien sofort zu helfen, da das Inkrafttreten der gestern beschlossen Maßnahmen auf dem Eurogipfel so schnell wie leider notwendig nicht national in allen Euroländern abgesegnet werden kann….die Politik hat leider das sagen bei der EZB (war eigentlich nicht so gedacht) und die Damen und Herren Präsidenten der Eurorunde machen es so wie die (böse) Finanzwelt es gern hätte…wer verdient eigentlich an dieser Krise?

    …ich werde wohl Geld bei der AKBank für 1 Jahr für 3% festlegen

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