Das Jahresende naht mit großen Schritten. Wie jedes Jahr ist somit nun die Zeit angebrochen, dass man sich mal Gedanken über seinen Freistellungsauftrag (FSA) machen sollte. Für Alleinstehende liegt der Freibetrag auf Zinserträge bei 801 Euro, für Ehepaaren bei zusammen 1.602 Euro. Dies ist die Summe, die ihr an Zinsen einnehmen dürft, ohne darauf Abgaben zahlen zu müssen. Voraussetzung dafür ist aber, dass ihr euren Banken auch mitteilt, welchen Freibetrag ihr bei ihr in Anspruch nehmt, denn ihr könnt den Freistellungsauftrag auch auf mehrere Institute aufteilen. Was insbesondere bei Tagesgeld-Hoppern auch Sinn macht, da sie ja typischerweise im Laufe eines Jahres bei verschiedenen Banken Zinsen verdienen. Reicht ihr keinen Freistellungsauftrag ein oder ist er zu niedrig, dann muss die Bank von darüberliegenden Zinsen 25 Prozent Einkommensteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch Kirchensteuer an euer Finanzamt abführen. Es lohnt sich also darüber Gedanken zu machen und den FSA (rechtzeitig) zu stellen… 😉

Bei den meisten mir bekannten Tagesgeld-Banken ist das inzwischen erfreulicherweise auch möglich, den Freistellungsauftrag online zu erteilen (dazu ist es nötig, dass ihr eure TAN-Liste zur Hand habt, denn für jede Änderung wird eine TAN benötigt). Dies hat zum einen den Vorteil, dass es wesentlich unkomplizierter ist als den FSA komplett auszufüllen, dann ausdrucken und dann per Post einreichen zu müssen. Ein in meinen Augen noch viel größerer Vorteil ist aber, dass man den FSA so bis kurz vor die Zinszahlung (in der Regel erfolgt diese bei jährlicher Zinszahlung am 31.12.) hinauszögern kann, während man auf dem Postweg doch lieber noch einen Zeitpuffer einplanen sollte (dazu weiter unten noch etwas mehr). Denn schließlich weiß man jetzt ja noch nicht zweifelsfrei, ob man mit seinem Geld in den nächsten Wochen nicht doch noch zu einer anderen Bank wechselt.

Ich habe mir nun mal die Mühe gemacht, als eine Art Anleitung für euch das Vorgehen für die meisten Top-Tagesgeld-Anbieter des Jahres 2010 in Erfahrung zu bringen und aufzulisten. Ich denke, dies sollten die Banken sein, die für die meisten von euch relevant sind. Die Hinweise darauf, wie ihr bei der jeweiligen Bank zum FSA gelangt, beziehen sich jeweils auf das Online-Banking und setzen voraus, dass ihr euch dort erfolgreich eingeloggt habt. 😉

Bank of Scotland: Hier dürften wohl die meisten von euch Kunde sein. Hier ist es erfreulicherweise möglich, den FSA online zu erteilen. Darüber hinaus ist dabei die Anzeige der bislang in diesem Jahr aufgelaufenen Zinsen sehr hilfreich (stehen in den Kontodetails). So kann man wesentlich leichter abschätzen und berechnen wie viele Zinsen es am Jahresende sein werden. Zum Freistellungsauftrag gelangt ihr so: -> Kundenservice -> Steuerdaten verwalten -> Steuerdaten bearbeiten.

ING DiBa: Auch bei der ING DiBa ist es ganz einfach: -> Konto-Service -> Freistellungs-/Kirchensteuerauftrag. Die ING DiBa bietet ebenfalls den Service, das man die bisher aufgelaufenen Zinsen einsehen kann. Wählt dazu unter „Meine Finanzen“ im Dropdown-Menü neben eurem Konto (wo in der Regel „Umsatzanzeige“ vorausgewählt ist) einfach „Kontodetails“ aus.

Comdirect: Auch hier ist es online möglich (leider ist das Online-Banking in meinen Augen etwas unübersichtlich): -> Verwaltung -> Steuerübersicht -> Freistellungsauftrag erteilen.

GE Capital Direkt: Diese Bank war bei meiner Recherche die unrühmliche Ausnahme. Denn hier ist es nicht möglich, den FSA online zu erteilen. Das muss leider auf dem Postweg geschehen. 🙁 Das entsprechende Formular als PDF-Dokument findet ihr hier. Auf meine Nachfrage bei der Bank, bis wann der FSA eingegangen sein muss, damit er für das laufende Jahr berücksichtigt wird, bekam ich die Antwort, dass es bis Anfang Dezember geschehen muss. Das wird jetzt also höchste Zeit, wenn man auf Nummer sicher gehen will. In meinen Augen ist das alles andere als zeitgemäß und nicht sehr kundenfreundlich. Auch eine Zinsvorschau bietet die GE Capital Direkt leider nicht an.

Deutsche Kreditbank (DKB): Bis zum 15.04.2010 bot die DKB mit 2,05% einen sehr guten Zinssatz. Daher wird der eine oder andere von euch dort in diesem Jahr auch Zinsen erwirtschaftet haben. Da die Zinszahlung dort monatlich erfolgt, solltet ihr euren FSA also vermutlich schon erteilt haben. Wenn ihr euer Geld dort wieder abgezogen habt, ist er eventuell noch zu hoch angesetzt und ihr könnt ihn reduzieren, um damit mehr Spielraum bei anderen Banken zu haben. Zum FSA gelangt ihr dort so: -> Service -> Freistellungsauftrag ändern („unter Konto/Depot“).
Bei der DKB könnte es sich übrigens auch lohnen, mal einen Blick auf euer Punktekonto beim DKB-Club zu werfen, falls ihr an diesem Prämienprogramm der DKB teilnehmt. Eventuell könnt ihr euch eine nette Prämie leisten (ich finde das Angebot an Prämien allerdings eher ernüchternd…).

Dies sind die Banken, bei denen ich selbst aktuell auch Kunde bin. Daher kann ich das für diese Institute so detailliert auflisten. Wenn euch dennoch ein Fehler aufgefallen ist oder ihr einfach nur eine Anmerkung oder eine Frage habt, schreibt’s einfach unten in die Kommentare. Und bitte auch, wenn ihr Infos zu einer Bank habt, die ich hier jetzt nicht aufgelistet habe (z.B. 1822 direkt, DAB, Volkswagenbank, Cortal Consors oder AXA Bank).

Aber Achtung: Wenn ihr euch dazu entscheidet, den FSA online erst ganz kurz vor der Zinszahlung zu stellen, passt unbedingt auf, dass ihr es dann nicht vergesst. Sonst kann das ganz ärgerlich enden, wenn dann plötzlich das neue Jahr da ist und sich eure Zinsen durch diese Unachtsamkeit reduziert haben. 😉 Und es soll ja auch schon mal vorgekommen sein, dass der Internetanschluss streikt oder man seine Zugangsdaten vergessen hat… Daher gebe ich euch den Tipp, dass ihr zur Sicherheit unbedingt schon mal jetzt vorsorglich die Freistellungsaufträge stellen solltet. Ändern kann man sie ja kurz vorher immer noch. Und da die Einrichtung und Änderung von Freistellungsaufträgen immer kostenlos ist, habt ihr dadurch auch nichts zu verlieren.

Und noch ein Tipp: Wenn ihr Tagesgeldhopper seid, empfehle ich euch, den FSA nur für das laufende Jahr, also bis zum 31.12.2010, zu erteilen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ihr auch für 2011 alles unverändert lassen wollt, schätze ich mal eher gering ein. 😉