4% aufs Tagesgeld: Vorsicht beim Angebot der Advanzia Bank
Heute stelle ich euch mal wieder ein Tagesgeld-Angebot vor, hinter dem ich nicht wirklich stehe und für das ich daher auch keine Empfehlung aussprechen kann, so viel gleich vorab. Auch Erfahrungen habe ich weder mit dem konreketen Angebot, noch mit der Bank im Allgemeinen vorzuweisen. Dennoch möchte ich euch das Angebot nicht vorenthalten. Unter anderem auch, um die bestehenden Hürden aufzuzeigen.
Doch nun genug der Vorrede: Es geht um das Tagesgeld der Advanzia Bank. Diese wirbt derzeit mit einem für heutige Zeiten geradezu wahnwitzig erscheinenden Zinssatz von 4 Prozent aufs Tagesgeld. Doch jeder, der nicht völlig naiv ist, wird bei diesem Zinssatz natürlich sofort skeptisch.
Und das zu Recht. Folgende Haken ergeben sich gleich auf den ersten und zweiten Blick: Zunächst einmal gilt das Angebot nur für Neukunden, was so weit jedoch noch nichts ungewöhnliches ist. Ungewöhnlicher ist hingegen schon, dass der Zinssatz erst ab 5.000 Euro (und bis zu Maximal einer Million) gilt, darunter wird kein Guthaben verzinst. Doch auch dieser Haken ist noch akzeptabel (so man denn überhaupt über 5.000 Euro verfügt). Der ganz große Haken kommt jetzt: Der Zinssatz gilt nur vom 01.09.2010 bis zum 30.09.2010, also nur für maximal 29 Tage. Danach gilt dann der reguläre Tagesgeld-Zinssatz von derzeit nur 1,8%. Weiter relativiert werden die 29 Tage mit 4% p.a. (die zeitanteilig erechnet werden) natürlich dadurch, dass das Konto überhaupt erstmal eröffnet werden muss, was ja auch immer mindestens einige Tage in Anspruch nimmt (und ich weiß nicht, wie zügig die Advanzia Bank mit Kontoeröffnungen ist). Hinzu kommt noch die Zeit des Geldtransfers (zunächst vom bisherigen Tagesgeldkonto zum Girokonto und von dort dann zum Konto der Advanzia Bank), was auch nicht selten nochmal insgesamt zwei bis vier Tage in Anspruch nehmen kann, in der man keinerlei Zinsen erhält. Und wenn man das Geld dann am 30.09.2010 wieder zurückholt nochmal das gleiche. Effektiv kommt man so nach meiner Einschätzung realistischerweise maximal auf drei Wochen, wenn nicht sogar nur zwei Wochen, in denen man den beworbenen Aktions-Zinssatz erhalten kann. Das ist den Aufwand meines Erachtens überhaupt nicht wert. Wenn der reguläre Anschluss-Zinssatz von 1,8% höher liegen würde, wäre das nochmal was anderes, aber das tut er nicht, sodass man das Geld anschließend auch wieder zurückholen sollte.
Hinzu kommt noch, dass es sich bei der Advanzia um eine Bank aus Luxemburg handelt, die erst seit dem Jahr 2005 existiert, was dem ein oder anderen sicherlich auch noch gehörige Bauchschmerzen bereitet, wenn es darum geht, dieser Bank Geld anzuvertrauen. Hinzu kommt, dass sich in den Weiten des Internets viele negative Einträge auffinden lassen, in denen der Service der Bank gerügt wird. Außerdem ist bei Wikipedia zu lesen, dass es weitere Besonderheiten gibt, so zum Beispiel eine merkwürdige Art der Einzahlung, die über Landesbank Baden-Württemberg realisiert wird (wobei ich aber gar nicht weiß, ob dieser Punkt noch aktuell ist, denn auf der Seite der Bank ist dazu nichts zu finden). Aus all diesen Gründen gibt es von mir ganz klar keine Empfehlung für dieses Tagesgeldkonto, auch wenn der Zinssatz zunächst verlockend klingt. Aber letztendlich ist natürlich jeder selbst seines eigenen Glückes Schmied, ich will niemanden bevormunden…
Ich würde aber ganz klar andere Banken bevorzugen. So zum Beispiel weiterhin vor allem die Bank of Scotland, die regulär 2,2% für Neu- und Bestandskunden bietet. Und für Neukunden zudem noch eine Prämie in Höhe von 30€, die in den meisten Fällen sicherlich mehr Zusatz-Ertrag bringt, als der Zinssatz von 4 Prozent, den man be der Advanzia Bank nur für wenige Tage erhalten kann, um danach wieder auf 1,8% abzurutschen. Zum deutlich besseren Angebot der Bank of Scotland gelangt ihr hier.

1. Im letzen Absatz befindet sich ein kleiner Tippfehler, die Bank of Scotland bietet 2,2% Zinsen, nicht 2,25 %.
2. Ganz so kritisch würde ich das Angebot nicht sehen. Das die Bank in Luxemburg sitzt, würde ich jetzt nicht als Nachteil sehen, damit ist die Einlagensicherung (100.000 Euro) deutlich höher als zum Beispiel bei der Bank of Scotland und Luxemburg ist ja auch nicht gerade ein Entwicklungsland. Das Angebot gilt nicht nur bei Kontoeröffnung in dem Monat, sondern auch, wenn man in dem Monat noch kein Geld eingezahlt hat. So kann man also, wenn man das Konto im Monat davor eröffnet, trotzdem fast den ganzen Monat ausnutzen.
Insgesamt stimme ich natürlich zu, dass man das Angebot nicht wirklich empfehlen kann, da es sich im Prinzip nur um eine Art Neukundenbonus handelt (der aber, wenn man die gesicherten 100.000 Euro einzahlt bei immerhin locker über 100 Euro liegt [Zinsdifferenz zum BoS-Angebot]), und der Zinssatz danach auch nicht überragend ist.
3. Das mit der Überweisung auf ein Konto der Landesbank Baden-Württemberg stimmt noch (ist auch auf der Webseite zu finden), obwohl ich nicht sehe, was das Problem daran ist.